17.01.2024

Erfahrungsbericht von Jost zur UTS

1 Vor Aufenthaltsbeginn:

1.1 Auswahl der University of Technology in Sydney (UTS) in Kurzform

Die Entscheidung mein Auslandssemester an der UTS zu verbringen stand unter mehreren 
Gesichtspunkten bereits sehr früh fest

• Renommierte, hochmoderne, junge Universität
• Breitgefächerte Studiumsangebote an zukunftsorientierten Themen, in meinem Fall Data 
Science und Business Itelligence
• Englischsprachige, internationale Umgebung
• Großstadt am Meer
• Unzählige Freizeit-, Sport-, und Reisemöglichkeiten
• Starker kultureller und klimatische Unterschied zu Deutschland

In meinen Augen ein unvergleichliches Komplettpaket.
 

1.2 Vorbereitung des Aufenthaltes und Kontaktaufnahme zur UTS

Da zwischen der UTS und meiner Heimathochschule keine Partnerschaft bestand/ besteht, habe ich meinen Aufenthalt als Freemover (= unabhängig von der Heimatinstitution) organisiert. Die Vorbereitung des Aufenthalts habe ich dabei gemeinsam mit der GOstralia! GOmerica! durchgeführt, welche komplett kostenfrei als offizieller Vermittler zwischen der UTS
und mir fungierten. Rückblickend kann ich den Service von GOstralia! GOmerica! sehr empfehlen. Es gibt auf das Gastland abgestimmte, Infoveranstaltungen, Studierenden-Whatsapp-Gruppen für die jeweiligen Gastländer, Checklisten für die Bewerbung an der jeweiligen Universität und für die Einreise, etc. Die Checklisten waren besonders hilfreich, da hier gewisse Spitzfindigkeiten bestanden und eine bestimmte Reihenfolge gefragt war. Auch während und nach dem Aufenthalt war die Agentur bei Fragen oder Herausforderungen immer erreichbar.

Die Studiengebühren an der UTS, bzw. in Australien, sind nicht unwesentlich. Pro Semester werden etwa 4.000-6.000 EUR fällig. Als Freemover sind diese i.d.R selbst zu tragen oder über ein externes Stipendium zu finanzieren. Ich habe mich damals auf das HAW.international Stipendium des DAAD (deutscher akademischer Austauschdienst) beworben und dieses auch erhalten. Zu den Leistungen des Stipendiums gehört mitunter die Übernahme der gesamten Studiengebühren, eine Reisekostenpauschale und ein monatliches „Taschengeld“. Die Bewerbung ist zwar mit etwas Aufwand verbunden aber man sollte es auf jeden Fall versuchen. Sydney ist kein günstiges Pflaster und man hat durch das Stipendium somit mit etwas Fleiß und Glück eine Sorge weniger. Tipp: Achtet auf die Deadlines!

Nach erfolgreicher Bewerbung und Annahme an der UTS stand für mich dann der typische Organisationsalltag an und man hat sich wieder gefühlt wie ein Erstie: Neuer Studierendenausweis, neue Mailadresse, Neue Systeme, Fächerwahl und Stundenplanaufstellung, usw. Hier wurde man aber vom international Office der UTS sehr gut begleitet, sodass dies keine große Herausforderung darstellte.
 

1.3 Zimmersuche und Miethöhe

Aktuell nennen rund 5,5 Millionen Menschen Sydney ihr zu Hause, was etwa 20% der gesamten Bevölkerung Australiens ausmacht. Dabei ist Sydney nicht nur interessant für Studierende sondern auch für Urlauber, Reisende und Arbeitende. Dies schlägt sich folglich auch die Verfügbarkeiten und Mietpreise der Wohnungen/ Zimmer nieder. Für Studierende bestehen letztendlich zwei Optionen an eine Unterkunft zu gelangen: Über Studierendenwohnheime oder über den öffentlichen Wohnungsmarkt. Beide Möglichkeiten haben Ihre Vor- und Nachteile: 

Ich habe mein Glück zunächst auf dem öffentlichen Wohnungsmarkt probiert. In Australien sind dafür Facebook und „Flatmates“ (Vergleichbar mit WG gesucht) die gängigsten Plattformen. Anders als wie man es vielleicht in Deutschland gewöhnt ist, sind die Vorlaufzeiten in Sydney allerdings deutlich geringer. Oft werden WG-Zimmer schon zu Übermorgen angeboten und sind binnen weniger Stunden bis Tage vergeben. Auf Grund der hohen Anzahl an Anfragen lassen sich viele Anbieter auch nicht auf Online-Besichtigungen ein. Hinzu kommt, dass vor Allem auf Flatmates viele Betrüger ihr Unwesen treiben und mit gängigen Maschen versuchen internationale Studierende über den Tisch zu ziehen. 

Natürlich hat der öffentliche Wohnungsmarkt auch Vorteile: In der Regel ist hier ein Zimmer deutlich günstiger als in den Studierendenwohnheimen. Je nach Lage und Größe ist mit 150-400 AUD pro Woche zu rechnen. Mein Tipp, um an ein entsprechendes WG-Zimmer zu gelangen: Am besten verbringt man die ersten 1-3 Wochen in einem AirBnB oder Hostel und schaut sich in dieser Zeit nach WGs um. So hat man die Möglichkeit flexibel an den Besichtigungen teilzunehmen, potentielle Mitbewohner kennenzulernen und vor allem sicherzugehen, dass es sich nicht um einen Scam handelt.

Nachdem ich am Wohnungsmarkt kein Glück hatte und nicht quasi obdachlos nach Sydney reisen wollte, habe ich mich bei Studierendenwohnheimen beworben. Der größte unabhängige Anbieter in Sydney, bzw. ganz Australien ist Scape (www.scape.com.au). Während derartige Wohnheime in Deutschland i.d.R sehr preiswert sind, hat man hier mit Mietpreisen von 400-800 AUD pro Woche zu rechnen. Dafür beinhalten die Preise immerhin ein gratis Gym im Apartment-Komplex, eine Rezeption, Gemeinschaftsräume und eine Top-Innenstadt-Lage. Trotz der hohen Preise muss man allerdings auch hier sehr schnell sein. Tipp: Am besten mehrere Monate im Voraus bewerben – der frühe Vogel fängt den Wurm!


2 Während des Aufenthaltes:

2.1 Ankunft und Orientierung

Meine Ankunft in Sydney war zunächst geprägt von Erschöpfung und Jetlag. Immerhin hat man von Deutschland aus etwa 22-26 Stunden Reisezeit in den Knochen (wenn man ohne längere Zwischen-Aufenthalte fliegt) und zusätzlich mit 9 oder 10 Stunden Zeitverschiebung zu kämpfen. Tipp: Ich rate jedem mindestens eine Woche vor Studienstart anzureisen, da der Jetlag nicht von heute auf morgen auskuriert ist. Zudem hat man so auch mehr Zeit sich einzuleben und die ersten Eindrücke zu verarbeiten.

Angekommen hieß es dann für mich erstmal mein Studio-Apartment im Scape-Wohnheim zu beziehen und die Stadt zu erkunden. Tipp: Möbel und etwaige Ausstattung bekommt man am günstigsten bei Kmart oder Target- Die Preise sind unschlagbar und die Qualität ist überraschend gut. Bei meiner ersten Erkundungstour durch die Innenstadt bestätigten sich gleich meine Erwartungen an und Vorstellungen von Sydney. Die Stadt ist mit ihrer Größe und idyllischen Lage am Meer einzigartig und unglaublich schön. Man merkt nicht, dass über 5 Millionen Menschen dort wohnen. Alles ist friedlich, sauber und lebendig. Auch zum Ende meiner Zeit in Sydney habe ich immer noch die Spaziergänge genossen, wie am ersten Tag – klingt kitschig, ist aber wahr.

Seitens der UTS wurden alle neuen Studierenden (national und international) durch die „Odays“ (Orientation Days) empfangen und in das Uni-Leben integriert. Die Teilnahme an den Odays istverpflichtend aber ich würde es auch so jedem empfehlen: Ein perfektes Event um neue Leute kennenzulernen und die Universität zu erkunden. Zudem stellen sich hier alle Clubs vor (Sport- und Freizeit Aktivitäten) und es gibt jede Menge Gewinnspiele, Gratisessen und Goodies.

2.2 Studium

Wie in Kapitel 1 aufgelistet, war das Renommee und die Zukunftsorientierung der UTS ein Motiv für mich, mich dort zu bewerben. Die UTS lässt durch ihr gutes globales Ranking, ihren modernen Internetauftritt, ihre beindruckende Architektonik, ihr umfassendes Studienangebot und ihre neuste Ausstattung von außen betrachtet eine qualitativ hochwertige Universität vermuten. Dies entspricht jedoch nur in Teilen der Realität: Wie sich herausstellte, zeichnet sich hinter den Kulissen ein etwas anderes Bild ab, was ich euch für die nötige Transparenz nicht vorenthalten möchte. Immerhin ist das Studium das Kernstück des Auslandsaufenthaltes.

Sowohl die Lehr- als auch die Lernqualität sind meiner Erfahrung nach nicht mit der Qualität an deutschen Hochschulen und Universitäten zu vergleichen. Diese Auffassung scheint kein Einzelfall zu sein: Aus Unterhaltungen mit Kommilitonen und Studierenden anderer Unis in Sydney erwuchsen ähnliche Einstellungen und Erfahrungswerte. Dies ist meiner Auffassung nach vor allem auf die folgenden Aspekte zurückzuführen: 

1) Sydney, und in meinem Fall die UTS, begrüßt eine enorme Anzahl an internationalen Studierenden. Aufgrund verschiedenster Vorkenntnisse, Herangehensweisen und Arbeitseinstellungen ist es extrem schwer für das Lehrpersonal ein geeignetes Vorlesungskonzept zusammenzustellen. Hinzu kommen teils starke Sprachbarrieren, die die Kommunikation erschweren.
2) Vorlesungen und Workshops werden in der Regel nicht von Professoren, sondern von „Lecturers“ oder phD-Studenten durchgeführt. Hier fehlte jedoch oft die Expertise die Veranstaltungen auf Master-Niveau durchzuführen und kompetent Fragen zu beantworten.
3) Ansprüche an Prüfungsleistungen unterschieden sich von Modul zu Modul stark und waren oft nicht transparent aufbereitet.

Natürlich gibt es aber auch positive Aspekte, die ich hier nicht vernachlässigen will:

Die UTS verfolgt ein modernes und in meinen Augen ansprechendes Prüfungskonzept: Mehrere Abgaben über das Semester verteilt anstelle einer geballten Klausurenphase am Ende des Semesters. Dies hat zur Folge, dass man auch während des Semesters verhältnismäßig viel für die Uni tun muss, ermöglicht es aber zeitgleich auch sich tiefgründiger mit seinen Themen auseinanderzusetzen. Zum Ende hin bleibt einem dafür die stressige Klausurenphase erspart. Keine Sorge, genug Zeit für Freizeit und Reisen bleibt dennoch auch während des Semesters! Auch das Campusleben war sehr angenehm. Nach den Veranstaltungen hatte man die Möglichkeit sich auf dem Alumni Green in die Sonne zu setzen oder im Food Court etwas zu essen.

Was ist also die Quintessenz? Zum einen kann man festhalten, dass wir ein sehr gutes Hochschulsystem in Deutschland haben -so nervig und starr es auch manchmal sein mag. Zum anderen würde ich sagen, dass ein Studium in Sydney bzw. Australien nicht die beste Wahl ist, wenn man sich bestmöglich fachlich fortbilden und weiterentwickeln möchte. Hier ist man in Skandinavien, den Niederlanden oder der Schweiz vermutlich besser bedient.


2.3 Freizeit und Reisen

Den Möglichkeiten zur Freizeit- und Reisegestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Da dies allerdings kein Lifestyle- und Travelblog ist, halte ich mich bewusst kurz. Was Freizeitbeschäftigungen angeht, kann man sowohl über die Uni, als auch selbstständig alles machen, was das Herz begehrt. An der UTS gibt es über 100 verschiedene Clubs, bei welchen man sich je nach Interessenslage zu einem überschaubaren Preis oder gar kostenlos anmelden kann: Von Standards wie Fußball, Hockey, und Tanzen bis hin zu Exoten wie Quidditch oder Gaming ist alles dabei. Darüber hinaus gibt es in Sydney viele Pubs und Clubs, wie bspw. das Ivy’s, Strände an welchen man das ganze Jahr über Schwimmen, Surfen, Schnorcheln und Beachen kann und unzählig viele Möglichkeiten zum spazieren und wandern inner- und außerhalb der Stadt. Darüber hinaus werden in der Stadt regelmäßig öffentliche Events veranstaltet, welche meist einen Besuch wert sind.

Auch dem Reisen sind keine Grenzen gesetzt. Von Städtetrips nach Melbourne oder Canberra, bis hin zu Mehrtages oder Wochentrips ins Outback, nach Tasmanien, auf die Fiji-Inseln, entlang der East Coast oder gar nach Neuseeland ist alles möglich. Mit Ausnahme von den Fijis habe ich all diese Reisen unternommen und sie waren jeden Cent wert - So schnell kommt man wahrscheinlich nicht nochmal ans andere Ende der Welt. Tatsächlich waren diese Reisen zu einem gewissen Grad sogar lehrreicher als das Studium an der UTS. Natürlich hat man sich nicht unbedingt fachlich weitergebildet, aber dafür umso mehr im Bereich der Selbstständigkeit, dem Umgang mit Neuem, des Organisationsgeschicks und natürlich auch interkulturell und kulinarisch.

Ein kleiner Tipp für’s Reisen: In der Regel benötigt man Fahrzeuge, um von A nach B zu kommen, welche üblicherweise zu einem nicht unwesentlichen Preis gemietet oder gekauft werden müssen. Es gibt aber auch sogenannte „Relocation-Möglichkeiten“: Hier bekommt man Mietfahrzeuge von Anbietern wie bspw. Sixt gratis zur Verfügung gestellt, um diese im Gegenzug zu einen vorgegebenen Zielort zu bringen. Wenn dieser zufällig mit der eigenen Reiseroute übereinstimmt oder man flexibel ist, was das eigene Reiseziel betrifft, kann man so mit etwas Glück gratis Mietfahrzeuge nutzen. Ich habe dabei mit der Seite www.transfercar.com.au gute Erfahrungen gemacht.


3 Abschließendes Fazit

Insgesamt vergingen die 6 Monate in Australien (und Neuseeland) wie im Flug. Trotz der etwas unzufriedenstellenden Qualität der UTS war es die Reise in jedem Fall wert und ich kann euch wärmstens empfehlen diese auch zu unternehmen. Aus fachlicher Perspektive ist Sydney, wie in Kapitel 2.1 angeschnitten, nicht die beste Wahl. Hier sind andere Studienorte vermutlich deutlich besser geeignet. Als Komplettpaket betrachtet, also Studium, Alltag, Freizeit und Reisen, bietet Sydney dennoch eine unglaublich gute Anlaufstelle