Gertrude Saddle

18.05.2023

Unterkunft und Wohnen an der VUW

In meinen ersten beiden Blogeinträgen findest du Infos zur Vorbereitung und Bewerbung sowie zur Ankunft und Orientierung. Hier geht es um die Unterkunft und das Wohnen. Derzeit befinde ich mich in der Mitte meines Aufenthaltes. Da ich bereits einen Einblick in unterschiedliche Wohnverhältnisse bekommen habe, kann ich dir mit diesem Blogeintrag eine gute Hilfestellung für die Wahl deiner Unterkunft in Wellington geben.

Optionen

Es gibt vor allem drei Optionen, unter denen du auswählen kannst: eine von der Uni angebotene Unterkunft, eine privates WG-Zimmer oder ein Zimmer in der Wohnung oder dem Haus einer Familie.

Campus-Unterkünfte

Die meisten anderen Austauschstudenten, die ich kennengelernt habe, haben sich für eine Campus-Unterkunft entschieden. Dort leben sie entweder mit ein paar Mitbewohnern oder in einem der großen Häuser mit sehr vielen Mitbewohnern unter einem Dach. Es gibt auch gecaterte Halls, wo du zu geregelten Zeiten Essen bekommst, dafür aber mit ca 1200 Euro pro Monat rechnen musst (für junge Studenten gedacht). Für mich war das keine Option, weil ich viel Wert auf meine Essensentscheidungen lege. Die Zimmer der Campus-Unterkünfte sind sehr unterschiedlich in der Größe. Die, die ich gesehen habe, waren eher groß, und man arrangiert sich mit den allgemeinen Bedingungen (geteilte Küchen, Etagenduschen, …). Die beiden großen Pluspunkte der größeren Studentenhäuser sind, dass du sehr viele Leute kennenlernst, mit denen du immer etwas unternehmen kannst; und eben, dass sie sich in der Nähe zum Campus befinden. Der große Minuspunkt sind jedoch die hohen Kosten, verbunden mit den gebundenen Einzugs- und Auszugsterminen. So ärgerte sich eine Freundin bereits darüber, dass sie wahrscheinlich einen Monat umsonst zahlen müssen wird. Das ist bei 800 Euro oder mehr im Monat sehr viel Geld.

Private WG

Als ich die hohen Preise für die (Campus-)Unterkünfte in Wellington gesehen habe, war mir klar, dass ich mir keinen Stress machen muss, in eine Campus-Unterkunft zu kommen. Ich habe darauf vertraut, dass ich ein Zimmer in einer privaten Unterkunft finde, welches ggf. sogar günstiger ist. Das hat am Ende zum Glück funktioniert. Mein Plan B war, die erste Zeit in einem Hostel zu schlafen, bis ich eine Unterkunft finde. Allerdings habe ich über die Zeit die Anzeigen zweier Facebook-Gruppen für Flats und Flatmates in Wellington verfolgt und wusste, dass diese eher kurzfristig ausgeschrieben werden. Es gibt auch andere Foren, wie Roomies, und da hatte ich auch ein Gespräch mit einer netten Frau, bei der ich mich sicher auch wohl gefühlt hätte. Jetzt lebe ich aber mit zwei gleichaltrigen Neuseeländerinnen in einer WG in Kilbirnie. Zunächst gab es ein paar Schimmelprobleme, die mein Freund und ich mit Reinigungs- und Bleichmittel entfernen konnten, und ich musste mir ein paar Möbel kaufen, weil das Zimmer unmöbiliert war. Nach einer Einlebephase bin ich jetzt auch sehr zufrieden mit meiner Wahl. Ein Minuspunkt ist, dass ich einen längeren Weg zur Uni habe (ca. 30 min in Allem). Die Busverbindungen sind allerdings sehr gut und günstig (hol dir den Studentenrabatt für die SnapperCard). Die Pluspunkte sind für mich eindeutig die Nähe zum Regional Acquatic Center, die Nähe zur Küste und die relative Ebenerdigkeit fürs Joggen, das günstigere Wohnen (ca. 600 Euro im Monat) und Einkaufen (PaknSave in der Nähe). Kilbirnie ist nicht so weit weg vom Schuss, wie es sich gerade anhört, der Bus bringt dich in 15 min in die Innenstadt oder in 25-35 min zum Campus. Bei mir hat es sich zudem sehr gut ergeben, dass ich genau die Zeit, die ich hier bin, auch zahle. Das liegt unter anderem daran, dass du in Neuseeland pro Woche, nicht pro Monat zahlst.

Lake TekapoBlue PoolsRoys Peak View Point
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Bei einer Familie

Die dritte Option, bei einer Familie zu wohnen, stelle ich mir wahrscheinlich schöner vor, als sie ist. Zumeist gibt es dabei Regeln, die deinen Vorstellungen und deiner Lebenssituation eher entgegen stehen, wie zum Beispiel, wann du nach Hause kommst. Eine grundsätzliche Empfehlung kann ich hier aber nicht aussprechen, weil jede Familie anders ist, genauso wie deine Vorstellungen ja auch sehr kompatibel mit einem familiären Zusammenleben sein kann. Preislich muss man wahrscheinlich mit so 650-700 Euro im Monat rechnen.

Tipps

Vermeide unmöblierte Zimmer. Im Warehouse at Lyall Bay habe ich zwar ein Bett, eine Matratze, eine Decke, und ein Regal günstig bekommen, aber ich weiß noch nicht, wie gut sich meine Sachen verkaufen lassen, wenn ich wieder ausziehe, oder ob ich sie am Ende Salvation Army spenden werde.
Traue dich, am Anfang nach dem Zustand der Wohnung zu fragen. Schimmel scheint ja in Wellington grundsätzlich ein Problem zu sein, aber es ist eigentlich gesetzlich vorgeschrieben, dass das nicht sein darf.

Fazit

Dass du bei einem Auslandssemester in Neuseeland viel Geld los wirst, ist klar. Setze dich selbst nicht unter Druck bei der Wohnungssuche und verlasse dich auf dein Bauchgefühl. Ich denke, dass die Wahl zwischen Campus oder privat eher darin liegt, ob du das Campusleben haben möchtest, und nicht, ob du in einer Flat etwas Geld sparen kannst. Letztlich liegt es an dir, womit du dich am wohlsten fühlst.

Was ist sonst noch so passiert?

So wichtig es auch ist, sich um eine anständige Unterkunft zu kümmern, und ein angenehmes Zusammenleben mit deinen Mitbewohnern zu kultivieren, manchmal wirst du die Unterkunft vielleicht gar nicht brauchen. Wie? Was? Ja, richtig, wenn du nach Neuseeland gehst, nehme ich an, möchtest du auch was entdecken. Zwar kannst du auch in der Stadt bleiben, und jedes Wochenende eine andere Kulturveranstaltung besuchen, aber oft wird es dich auch aus der Stadt hinausziehen. So habe ich die Midterm Break genutzt, um zwei Wochen auf der Südinsel zu reisen. Mit einer Gruppe aus 7 Leuten sind wir nach Queenstown geflogen, haben ein Auto und Unterkünfte in Queenstown, Te Anau, Twizel und Wanaka gemietet. Wir waren sehr viel wandern (Ben Lomond, Lake Marian, Gertrude Saddle, Mueller Hut, Hooker Valley Track, Roys Peak, …) aber auch kajaken und Sterne beobachten (Lake Tekapo), haben eine Bootstour im Doubtful Sound gemacht,… Das waren meine persönlichen Highlights, aber auch kleinere Ausflüge, wie zum Beispiel zu den Clay Cliffs, waren lohnenswert. Dort kann man im Übrigen noch besser Sterne beobachten als bei Lake Tekapo, weil sie sich wirklich mitten im Nirgendwo befinden.


Nach der Reise auf der Südinsel bin ich nun seit zwei Wochen wieder in Wellington. Nun musste ich wieder etwas mehr für die Uni machen, hatte aber auch kleinere Ausflüge unternommen. Zum Beispiel war ich auf dem Red Rocks Track und bei der Seerobbenkolonie dort. Vor allem aber habe ich mal ein bisschen Auszeit genossen und eher entspanntere Sachen gemacht, wie ins Kino oder Schwimmen zu gehen. Aber das nächste Abenteuer kommt bestimmt! :-D