Schiffe in der Halong Bay im Norden Vietnams

25.08.2025

Erfahrungsbericht von Valentin zum Auslandssemester an der RMIT University Vietnam

Valentin war 2025 für ein Auslandssemester an der RMIT University Vietnam in Saigon. "Ich kann jedem empfehlen, ein Auslandssemester in Vietnam in Betracht zu ziehen. Es ist eine Gelegenheit, nicht nur zu studieren, sondern zu wachsen, neue Perspektiven zu gewinnen und Erinnerungen zu sammeln, die ein Leben lang halten. Vietnam, mit seiner Mischung aus Tradition und Moderne, bietet einen einzigartigen Rahmen für solche Erfahrungen, die weit über das Klassenzimmer hinausgehen."

Universität im Ausland: RMIT University Vietnam

Universität in Deutschland: DHBW Stuttgart

Studiengang in Deutschland: Wirtschaftsinformatik (IMBIT)

Belegte Kurse im Auslandsemester:

  • Leadership
  • Big Data, Machine Learning and Society
  • Business Challenges in the Digital Economy
  • Global Business

 

Zusammenfassung

Mein Auslandssemester an der RMIT University Vietnam in Ho Chi Minh City von Februar bis Juli 2025 war eine transformative und facettenreiche Erfahrung, die mich sowohl akademisch als auch persönlich geprägt hat. Mit Unterstützung der Agentur GOstralia! – GOmerica!, die die grundlegende Planung und Kommunikation übernahm, startete ich mein Abenteuer mit einer dreiwöchigen Reise durch Singapur, Bali und Malaysia, die mir half, mich an das Leben in Südostasien zu gewöhnen. Während des Semesters erlebte ich einen anderen Studienstil mit Fokus auf anspruchsvolle Assignments statt Klausuren und musste mich mit einem anderen Notensystem auseinandersetzen, das meine akademischen Leistungen beeinflusste. Das Leben in Ho Chi Minh City, einer Stadt voller Energie und Kontraste, bot mir Einblicke in die vietnamesische Kultur, gepaart mit Herausforderungen wie der Sprachbarriere. Die günstigen Lebenshaltungskosten ermöglichten es mir, viel zu reisen und das Land in all seiner Vielfalt zu entdecken, von den Reisterrassen in Sapa bis zu den Stränden von Phu Quoc. Nach dem Semester setzte ich meine Reise fort und besuchte die Philippinen (Palawan, Cebu), Hongkong und Shenzhen, was meine Erfahrungen in der Region weiter bereicherte. Insgesamt war dies eine prägende Zeit, die mir nicht nur neues Wissen vermittelte, sondern auch meine Fähigkeit zur Anpassung und Unabhängigkeit stärkte. Trotz einiger organisatorischer und akademischer Herausforderungen überwiegen die positiven Aspekte deutlich, und ich empfehle jedem, ein Auslandssemester in Vietnam zu wagen.

 

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Anmeldung

Die Vorbereitung meines Auslandssemesters wurde durch die Agentur GOstralia!-GOmerica! unterstützt, die die Bewerbung an der Partneruniversität und die Koordination von Versicherungsfragen zuverlässig übernahm. Ich musste mich lediglich um einige Details selbst kümmern, wie den Visumantrag bei der vietnamesischen Botschaft in Frankfurt.

Versicherung, Reisedokumente, Finanzielles, Visumsbeantragung

Die Agentur organisierte die notwendigen Versicherungen, während ich den Visumantrag selbst bei der vietnamesischen Botschaft in Frankfurt stellte. Finanziell war ich auf die Deckung der Studiengebühren von etwa 5.000 € sowie der Lebenshaltungskosten vorbereitet. 

Anreise

Vor dem Semesterstart unternahm ich eine dreiwöchige Reise durch Singapur, Bali und Malaysia. Diese Zeit war unschätzbar wertvoll, um mich an das Klima, die Kultur und den Rhythmus Südostasiens zu gewöhnen. Singapur beeindruckte mit seiner modernen Infrastruktur und multikulturellen Vielfalt, Bali mit seiner entspannenden Atmosphäre und traditionellen Zeremonien, und Malaysia mit seiner Mischung aus urbanem Leben und natürlicher Schönheit. Die Anreise nach Vietnam erfolgte anschließend per Flug nach Ho Chi Minh City.

Skyline mit QUT

Studienumfeld

Wohnen

Ich wohnte in District 7, in der Nähe des RMIT-Campus. Die Unterkunftskosten variierten stark je nach Anforderungen: Einfache Zimmer waren ab 100 € pro Monat pro Person erhältlich, während moderne Apartments mit Pool, Fitnessstudio und Sicherheitspersonal ab 300 € begannen und bis zu 400 € kosten konnten. District 7 ist ein modernes, westlich geprägtes Viertel mit guter Infrastruktur, das besonders für internationale Bewohner attraktiv ist.

Angebote der Hochschule

Der Campus der RMIT Vietnam in Saigon South (RMIT Saigon South Campus) bietet eine Vielzahl moderner Einrichtungen, darunter ein Fitnessstudio, Sportplätze, eine medizinische Versorgung, Speiseeinrichtungen und Lernräume für Selbststudium oder Gruppenarbeit. Besonders hervorzuheben ist die automatische Krankenversicherung, die mit einem der besten Krankenhäuser in Ho Chi Minh City kooperiert, ein Detail, dass ich selbst nicht nutzen musste, das aber von anderen Studierenden sehr geschätzt wurde.

Soziales Umfeld

Ich begann das Semester gemeinsam mit einem Kommilitonen von der DHBW Stuttgart, mit dem ich mich bereits gut verstanden hatte. Unsere Freundschaft vertiefte sich durch die gemeinsamen Erlebnisse in Vietnam, von der Wohnungssuche über unzählige Reisen bis hin zu nächtelangen Projektarbeiten. Wir wurden ein eingespieltes Team, das sich gegenseitig unterstützte. Die Integration mit Einheimischen war durch die Sprachbarriere herausfordernd, aber durch Reisen und Besuche in lokalen Märkten und Cafés konnte ich dennoch Kontakte knüpfen. Die vietnamesische Gastfreundschaft war besonders auf Reisen spürbar, wo ich oft herzlich empfangen wurde.

 

Studium

 Beschreibung der Hochschule allgemein

Die RMIT University Vietnam ist ein Campus der australischen RMIT University und bietet ein modernes Lernumfeld mit internationalen Standards (RMIT Vietnam Overview). Gegründet im Jahr 2000, ist sie die erste vollständig ausländische Universität in Vietnam und bekannt für ihre praxisorientierten Programme in Bereichen wie Wirtschaft, IT und Kommunikation. Der Saigon South Campus in District 7 ist ein zeitgemäßes Bildungszentrum mit Einrichtungen wie einer Bibliothek, einem Theater und spezialisierten Labors.

Auflistung und Beurteilung der besuchten Lehrveranstaltungen

Während meines Auslandssemesters an der RMIT University Vietnam habe ich vier anspruchsvolle und bereichernde Kurse besucht, die mir tiefere Einblicke in verschiedene Aspekte des Geschäftslebens und der Technologie gegeben haben.

Leadership

Der Leadership-Kurs war ein absolutes Highlight meines Semesters und bot eine faszinierende Perspektive auf Führung in einem globalen Kontext. Besonders spannend war der Fokus auf vietnamesische Führungsprinzipien, die durch kulturelle Nuancen geprägt sind und sich von westlichen Ansätzen unterscheiden. Dieser interkulturelle Ansatz erweiterte mein Verständnis dafür, wie Führungskräfte in verschiedenen kulturellen Umgebungen effektiv agieren können. Der Kurs war praxisorientiert gestaltet, mit einer Vielzahl von Übungen wie Gruppenprojekten, Rollenspielen und Fallstudien, die reale Führungsszenarien simulierten. Selbsttests und Reflexionsaufgaben halfen mir, meine eigenen Stärken und Entwicklungsbereiche als Führungskraft zu identifizieren. Diese praktische Herangehensweise machte das Lernen nicht nur ansprechend, sondern auch persönlich wertvoll, da ich direkt anwendbare Fähigkeiten für zukünftige berufliche Herausforderungen erwarb.

Big Data, Machine Learning and Society

Dieser Kurs bot eine einzigartige Gelegenheit, sich mit den zukunftsweisenden Themen Big Data und Machine Learning auseinanderzusetzen, die in der heutigen datengetriebenen Welt von zentraler Bedeutung sind. Obwohl die Struktur des Kurses manchmal herausfordernd war und die Vermittlung der Inhalte nicht immer optimal erschien, förderte er wertvolle technische und analytische Fähigkeiten. Der Kurs erforderte ein tiefes technisches Verständnis, insbesondere im Bereich komplexer Programmierung, was mich dazu anspornte, meine Fähigkeiten in Datenanalyse und Softwareentwicklung zu vertiefen. Projekte, die wahrscheinlich die Arbeit mit großen Datensätzen und die Anwendung von Machine-Learning-Algorithmen beinhalteten, ermöglichten es mir, die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Technologien kritisch zu reflektieren. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hat mich die intensive Auseinandersetzung mit diesen Themen auf die wachsende Bedeutung von Datenwissenschaft in der Wirtschaft vorbereitet und meine Fähigkeit gestärkt, eigenständig komplexe Probleme zu lösen.

Business Challenges in the Digital Economy

Dieser Kurs war ein faszinierender Einblick in die Schnittstelle von Technologie und Wirtschaft, die in der modernen Geschäftswelt immer wichtiger wird. Geprägt von einem hohen Maß an Selbstlernaktivitäten, forderte er mich dazu auf, proaktiv Wissen zu erwerben und mich eigenständig mit neuen Konzepten auseinanderzusetzen. Der Kurs kombinierte technische Aspekte, wie die Untersuchung digitaler Technologien (z. B. Cloud Computing, KI oder Blockchain), mit wirtschaftlichen Analysen, indem wir die Auswirkungen dieser Technologien auf Unternehmen untersuchten und deren Wertschöpfungspotenzial bewerteten. Dieser interdisziplinäre Ansatz half mir zu verstehen, wie digitale Innovationen Geschäftsprozesse transformieren und neue Marktchancen schaffen. Die Selbstlernkomponente förderte meine Fähigkeit, sich schnell in neue Technologien einzuarbeiten, was mich optimal auf die dynamischen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt vorbereitet hat.

Global Business

Der Global Business-Kurs war anspruchsvoll, aber äußerst bereichernd und bot mir eine völlig neue Perspektive auf die globale Wirtschaft. Mit einer Vielzahl von Präsentationen, schriftlichen Abgaben und Online-Tests wurde ich dazu angehalten, mich intensiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen, was mein Verständnis für internationale Geschäftspraktiken vertiefte. Besonders faszinierend war die Analyse der vietnamesischen Wirtschaft und ihrer Rolle in globalen Wertschöpfungsketten, die mir zeigte, wie aufstrebende Märkte die Weltwirtschaft prägen. Der Kurs behandelte Themen wie internationales Marketing, Cross-Cultural Management und globale Handelsstrategien, die durch Fallstudien und Diskussionen lebendig vermittelt wurden. Die zahlreichen Assessments förderten meine Fähigkeiten in Forschung, Analyse und Kommunikation, während die interkulturelle Perspektive mein Verständnis für die Komplexität des globalen Geschäftslebens erweiterte. Insgesamt haben diese Kurse nicht nur mein theoretisches Wissen erweitert, sondern auch meine praktischen Fähigkeiten und mein Verständnis für interkulturelle Zusammenarbeit gestärkt. Sie haben mich auf die Anforderungen des globalen Arbeitsmarktes vorbereitet und mir gezeigt, wie wichtig es ist, flexibel und lernbereit zu sein.

Betreuung an der Hochschule

Die Betreuung durch das International Office und die Universitätsverwaltung war grundsätzlich gut, jedoch gab es organisatorische Herausforderungen. Der uns zustehende Gebührennachlass wurde zunächst nicht berücksichtigt, und erst nach einem langem E-Mail-Austausch konnten wir eine Rückerstattung durchsetzen. Die Kommunikation mit der Verwaltung erforderte Geduld, aber die Einführungswoche mit Informationsveranstaltungen und Führungen erleichterte den Einstieg.

Studienort

Öffentliche Verkehrsmittel

Busfahrten kosten etwa 6.000–7.000 VND (ca. 0,20–0,25 €), sind klimatisiert und sicher, aber nicht immer praktisch für Touristen. Bequemer sind Taxis von seriösen Anbietern wie Xanh SM oder Grab, die ich täglich nutzte und die mit etwa 4 € pro Tag erschwinglich war.

Sicherheit

Ho Chi Minh City ist für Touristen und Studierende generell sicher, aber Vorsicht ist geboten, insbesondere bei Interaktionen mit der Polizei, wo Korruption vorkommen kann. Kleine Bestechungsgelder sind im Alltag keine Seltenheit, besonders bei Verkehrskontrollen, was für Ausländer durch die Sprachbarriere und mangelndes Wissen über lokale Gepflogenheiten erschwert wird. Standardvorkehrungen wie das Vermeiden abgelegener Gegenden bei Nacht und die Nutzung seriöser Transportdienste erhöhen die Sicherheit.

Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele

Ho Chi Minh City bietet eine Fülle historischer und kultureller Sehenswürdigkeiten. Zu den Highlights gehören das War Remnants Museum, die Notre-Dame Basilica und das Central Post Office, die die koloniale Vergangenheit der Stadt widerspiegeln. Der Bến Thành Market ist ein lebendiger Ort, um lokale Produkte und Speisen zu entdecken. Außerhalb der Stadt besuchte ich zahlreiche Ziele in Vietnam, darunter Hanoi mit seiner kolonialen Architektur, den Ha Giang Loop mit spektakulären Berglandschaften, Sapa mit Reisterrassen, Halong Bay mit ihrer Felsenbucht, Hoi An mit leuchtenden Laternen, Hue mit historischen Gräbern, Da Nang mit der Goldenen Brücke, Phu Quoc, Con Dao und Nha Trang mit traumhaften Stränden, Mui Ne mit Sanddünen, Dalat mit Kaffeeplantagen und das Mekong-Delta mit schwimmenden Märkten. Nach dem Semester setzte ich meine Reisen fort und besuchte die Philippinen (Palawan mit Kalksteinformationen, Cebu mit Schnorchelmöglichkeiten), Hongkong mit seiner beeindruckenden Skyline und Shenzhen, eine der modernsten Städte der Welt.

Internetzugang und Telefonieren

Internetzugang ist in Ho Chi Minh City weit verbreitet, mit kostenlosem WLAN in den meisten Cafés, Restaurants und auf dem RMIT-Campus. Mobilfunkdaten sind günstig, und ich nutzte eine lokale SIM-Karte für zuverlässige Kommunikation und Navigation.

 

Finanzieller Aufwand

Reisekosten

Flüge innerhalb Vietnams und in Nachbarländern waren kostengünstig, mit Hin- und Rückflügen zu Zielen wie Hanoi, Da Nang oder Phu Quoc für 60–100 €. Hotels reichten von einfachen Unterkünften für 5 € pro Nacht bis zu komfortablen Optionen für 40 €.

Lebenshaltungskosten

KategorieKosten (EUR)
StudiengebührenCa. 5.000 pro Semester
Unterkunft100–400 pro Monat pro Person
Verpflegung1–4 pro Mahlzeit
Transport (Grab)Ca. 4 pro Tag

 

Sonstiges

Zusätzliche Kosten ergaben sich durch Freizeitaktivitäten, Souvenirs und Reisen, die jedoch durch die günstigen Preise in Vietnam erschwinglich blieben. Die niedrigen Lebenshaltungskosten machten es möglich, das Land intensiv zu erkunden, ohne das Budget zu sprengen.

 

Gesamtbewertung des Aufenthalts

Mein Auslandssemester an der RMIT Vietnam war eine intensive, horizonterweiternde und unvergessliche Erfahrung. Trotz Herausforderungen wie dem anderen Notensystem, das meine akademischen Leistungen nicht vollständig widerspiegelte, und organisatorischen Hürden, wie der verzögerten Rückerstattung des Gebührennachlasses, überwiegen die positiven Aspekte bei Weitem. Ich habe nicht nur neues Wissen im Bereich International Management erworben, sondern auch persönlich enorm profitiert. Das Leben in einer fremden Kultur, die Navigation durch Sprachbarrieren und die Begegnung mit Korruption als Teil des Alltags haben meine Anpassungsfähigkeit und Resilienz gestärkt.

Die Reisen waren das Herzstück des Semesters. Sie ermöglichten es mir, die kulturelle und natürliche Vielfalt Vietnams zu entdecken, von den geschichtsträchtigen Städten wie Hue bis zu den paradiesischen Inseln wie Phu Quoc. Die Fortsetzung meiner Reisen nach den Philippinen, Hongkong und Shenzhen erweiterte meinen Blick auf die Region und zeigte mir die Vielfalt Südostasiens. Diese Erlebnisse haben mich toleranter, offener und selbstbewusster gemacht.

Besonders wertvoll war die Freundschaft mit meinem Kommilitonen, die durch gemeinsame Herausforderungen und Abenteuer zu einer tiefen Verbindung wurde. Die Erinnerungen an nächtliche Projektarbeiten, spontane Reisen und das gemeinsame Erleben einer fremden Kultur werden bleiben.

Ich kann jedem empfehlen, ein Auslandssemester in Vietnam in Betracht zu ziehen. Es ist eine Gelegenheit, nicht nur zu studieren, sondern zu wachsen, neue Perspektiven zu gewinnen und Erinnerungen zu sammeln, die ein Leben lang halten. Vietnam, mit seiner Mischung aus Tradition und Moderne, bietet einen einzigartigen Rahmen für solche Erfahrungen, die weit über das Klassenzimmer hinausgehen.