03.09.2025
Erfahrungsbericht von Tom zum Auslandssemester an der RMIT University Vietnam
Tom war 2025 für ein Auslandssemester an der RMIT University Vietnam in Saigon. "Vietnam hat mein Herz erobert, und ich kann jedem Studierenden nur empfehlen, die Chance zu nutzen, ein Auslandssemester in diesem faszinierenden Land zu verbringen. Die Kombination aus einem guten Studium, erschwinglichen Lebenshaltungskosten und unzähligen Reisemöglichkeiten macht Vietnam zu einem idealen Ziel für ein internationales Studium. Ich bin dankbar für diese Erfahrung und freue mich darauf, die gewonnenen Erkenntnisse und Fähigkeiten in meinem weiteren Studium und Berufsleben anzuwenden."

Universität im Ausland: RMIT University Vietnam
Universität in Deutschland: DHBW Stuttgart
Studiengang in Deutschland: Wirtschaftsinformatik (IMBIT)
Belegte Kurse im Auslandsemester:
- Leadership
- Big Data, Machine Learning and Society
- Business Challenges in the Digital Economy
- Global Business
1. Vorbereitung des Auslandsaufenthalts
a. Anmeldung
Die Vorbereitung auf das Auslandssemester begann mehrere Monate vor der Abreise. Als Student im dualen Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart hatte ich die Gelegenheit, drei Monate an der RMIT University in Saigon zu verbringen. Die Anmeldung und Organisation des gesamten Auslandsaufenthalts wurde über die Organisation GOstralia!-GOmerica! abgewickelt. Diese Organisation hat uns exzellente Unterstützung geboten, nicht nur bei der Vorbereitung, sondern auch in der Kommunikation mit der Universität. Durch ihre Hilfe war der gesamte Prozess viel reibungsloser, und sie fungierten als Brücke zwischen uns Studierenden und der RMIT University, was die Koordination enorm erleichterte.
b. Versicherung, Reisedokumente, Finanzielles, Visumsbeantragung
Ein zentraler Punkt war die Beantragung des Visums, die ich in Frankfurt durchführte. Der Prozess verlief erstaunlich reibungslos: Ich konnte das Visum direkt am selben Tag in meinen Pass eingetragen bekommen, was mir viel Zeit und Stress ersparte. Neben dem Visum standen auch die Buchung der Flüge und die Suche nach einer Unterkunft im Fokus. Mit einem Budget von etwa 1.000 Euro pro Monat konnte ich sowohl meinen Lebensunterhalt bestreiten, als auch Reisen unternehmen und das Land erkunden. Über die RMIT University in Vietnam war ich automatisch krankenversichert, was mir eine grundlegende Absicherung für medizinische Notfälle während meines Aufenthalts in Saigon gewährleistete. Da ich jedoch auch vorhatte, während meines Aufenthalts in Vietnam und in benachbarten Ländern zu reisen, entschloss ich mich, zusätzlich eine Reise-Krankenversicherung abzuschließen. Diese zusätzliche Versicherung stellte sicher, dass ich auch außerhalb von Vietnam, insbesondere wenn ich das Land für Reisen verließ, im Falle eines Unfalls oder einer Krankheit ausreichend abgesichert war. Die zusätzliche Absicherung gab mir ein beruhigendes Gefühl und war eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme für meine Reisen in der Region.
c. Anreise
Ich entschied mich für Direktflüge mit Vietnam Airlines, sowohl für den Hin- als auch für den Rückflug. Die Flüge verliefen reibungslos, und obwohl der Flughafen in Saigon etwas langsam in der Abfertigung war, empfand ich die Anreise als angenehm und unkompliziert. Besonders beeindruckt hat mich die Herzlichkeit des Personals und die Effizienz der Fluggesellschaft, die mir einen positiven ersten Eindruck von Vietnam vermittelten.
2. Studienumfeld
a. Wohnen
Die Wohnungssuche gestaltete sich überraschend einfach. Mein Plan war es, zunächst für eine Nacht ein Airbnb zu buchen, um vor Ort die Umgebung zu erkunden und potenzielle Vermieter direkt anzusprechen. Diese Strategie zahlte sich aus: Nach einer Nacht in einem Airbnb konnten wir den Gastgeber überzeugen, uns die Unterkunft für die gesamten drei Monate zu vermieten. Die Wohnung war modern, einigermaßen zentral gelegen und bot alles, was wir für ein komfortables Leben in Saigon benötigten. Diese unkomplizierte Lösung ermöglichte es uns, uns schnell einzuleben und uns auf das Studium und die Erkundung des Landes zu konzentrieren.
b. Angebote der Hochschule
Die RMIT University in Saigon bot eine Vielzahl von Freizeitmöglichkeiten. Neben modernen Bibliotheken und gut ausgestatteten Hörsälen gab es auch zahlreiche Freizeitangebote. Das Campusgelände war weitläufig, und es gab viele Möglichkeiten, sich zu entspannen oder mit anderen Studierenden in Kontakt zu kommen. Leider war der Zugang zu einer Mensa oder zum Hochschulsport für mich nicht von besonderer Bedeutung, da die Umgebung von lokalen Restaurants und Cafés geprägt war, die ein breites kulinarisches Angebot bereithielten.
c. Soziales
Das soziale Umfeld an der RMIT war sehr international. Die Studierenden kamen aus vielen verschiedenen Ländern, was die Zusammenarbeit in Gruppenarbeiten besonders bereichernd machte. Ich konnte viele neue Perspektiven kennenlernen und mein interkulturelles Verständnis erweitern. Darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit, an lokalen Festen teilzunehmen und mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Besonders beeindruckt hat mich die Gastfreundschaft der Vietnamesen, die mir halfen, mich schnell in die Kultur zu integrieren.

3. Studium
a. Beschreibung der Hochschule allgemein
Die RMIT University in Saigon beeindruckte mich vom ersten Moment an. Der Campus ist modern und mit erstklassigen Einrichtungen ausgestattet. Die Universität zeigt eine klare Ausrichtung auf internationale Studienstandards und hat viel in die Infrastruktur investiert. Von den Hörsälen bis zu den Bibliotheken war alles auf einem Niveau, das ich von deutschen Hochschulen so nicht kannte. Dies trug dazu bei, dass ich mich sofort wohl fühlte und mich auf das Lernen konzentrieren konnte.
b. Auflistung und Beurteilung der besuchten Lehrveranstaltungen
Das Studium an der RMIT unterschied sich stark von dem, was ich an der DHBW gewohnt war. Es gab keine klassischen Klausuren, sondern ausschließlich Abgaben in Form von Projekten, Essays und Gruppenarbeiten. Diese Abgaben waren anspruchsvoll und erforderten eine hohe Eigenorganisation. Besonders positiv empfand ich die Möglichkeit, kreativ an Projekten zu arbeiten, was mein Interesse an den Studieninhalten weiter steigerte. Während meines Auslandssemesters an der RMIT University in Saigon nahm ich an verschiedenen Kursen teil, die sich sowohl mit technischen als auch mit wirtschaftlichen Themen befassten.
Big Data, Machine Learning and Society
Dieser Kurs war eine sehr technische Veranstaltung, die sich intensiv mit den Konzepten von Big Data und maschinellem Lernen auseinandersetzte. Der Kurs war stark programmierlastig, und wir mussten eine Vielzahl von praktischen Aufgaben bearbeiten, insbesondere unter Verwendung der Programmiersprache Python. Der Fokus lag darauf, die Datenmengen zu verstehen, zu analysieren und aus diesen Daten durch maschinelles Lernen Muster zu erkennen und Vorhersagen zu treffen. Ein großer Teil des Kurses bestand aus Gruppenarbeiten, in denen wir zusammen an Projekten arbeiteten und versuchten, verschiedene Machine-Learning-Algorithmen zu implementieren, um Probleme zu lösen.
Jedoch empfand ich den Kurs teilweise als unstrukturiert und unorganisiert. Es gab Phasen, in denen die Aufgaben und die Erwartungen nicht klar kommuniziert wurden, was zu Unsicherheiten führte. Die Betreuung in Bezug auf die praktische Umsetzung und die zeitliche Planung war nicht immer optimal. Dies erschwerte es, den Überblick zu behalten und die Aufgaben effizient zu bearbeiten. Trotz dieser Herausforderungen war der Kurs insgesamt sehr anspruchsvoll, aber auch bereichernd. Er vermittelte mir vertiefte Kenntnisse in einem der zukunftsträchtigsten Bereiche der Technologie, und ich konnte wertvolle Fähigkeiten in der Programmierung und Datenanalyse entwickeln.
Business Challenges in the Digital Economy
Dieser Kurs kombinierte technisches Wissen mit wirtschaftlichen Aspekten und beschäftigte sich mit den Herausforderungen, die Unternehmen in der digitalen Wirtschaft bewältigen müssen. Hier wurde weniger programmiert, sondern der Fokus lag auf der Analyse von Unternehmensstrategien und der Untersuchung von Digitalisierungsprozessen in verschiedenen Branchen. In Gruppenarbeiten analysierten wir reale Unternehmen und deren digitale Transformation, wobei wir strategische Entscheidungen und Geschäftsmodelle bewerteten. Der Kurs gab mir wertvolle Einblicke in die digitale Wirtschaft und zeigte, wie Unternehmen neue Technologien und Geschäftsmodelle nutzen, um in einer zunehmend digitalisierten Welt wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese praxisorientierte Herangehensweise war besonders spannend, da wir oft aktuelle Fallstudien und Probleme bearbeiteten, die Unternehmen tatsächlich betreffen.
Leadership
Der Leadership-Kurs war einer der spannendsten und persönlich bereicherndsten Kurse meines Auslandssemesters. In diesem Kurs ging es darum, was es bedeutet, eine Führungskraft zu sein, und welche Eigenschaften und Fähigkeiten ein guter Leader haben sollte. Wir analysierten verschiedene bekannte Führungspersönlichkeiten wie Elon Musk und Bill Gates und lernten, wie deren Führungsstile die Unternehmen, die sie leiteten, beeinflussten. Ein großer Teil des Kurses bestand darin, Präsentationen zu halten und Führungstechniken in der Praxis zu üben. Besonders interessant war die Gruppenarbeit, bei der wir die Möglichkeit hatten, gemeinsam als Team zu arbeiten und Präsentationen zu entwickeln, die wir vor der Klasse und den Dozenten hielten. Der Kurs vermittelte mir nicht nur theoretische Kenntnisse über Leadership, sondern auch praktische Fähigkeiten in der Kommunikation, Entscheidungsfindung und der Teamführung.
Global Business
Der Kurs „Global Business“ war definitiv der akademische Höhepunkt meines Auslandssemesters und der beste Kurs, den ich belegt habe. Hier ging es darum, zu lernen, wie Unternehmen international expandieren und welche strategischen Entscheidungen dabei eine Rolle spielen. Ein besonders spannender Teil des Kurses war die praxisorientierte Aufgabe, bei der wir einem der größten vietnamesischen Unternehmen, Xanh SM, eine Präsentation darüber hielten, wie sie in ein anderes Land expandieren könnten. Die Aufgabe bestand nicht nur darin, die theoretischen Konzepte zu verstehen, sondern auch, praktische Lösungen für ein echtes Unternehmen zu entwickeln. Wir analysierten die verschiedenen Aspekte der Globalisierung, wie etwa kulturelle Unterschiede, Markteintrittsbarrieren und internationale Handelsstrategien. Besonders motivierend war es, dass wir unseren Präsentationswettbewerb gewannen und die Möglichkeit erhielten, unsere Ideen vor einem hochrangigen Mitarbeiter von Xanh SM aus den Philippinen zu präsentieren. Diese Erfahrung war nicht nur ein großer Erfolg, sondern auch eine wertvolle Gelegenheit, mein Wissen in einem realen Geschäftskontext anzuwenden. Der Kurs hat mir nicht nur tiefe Einblicke in den internationalen Handel und die Unternehmensstrategie vermittelt, sondern auch gezeigt, wie wichtig Innovation und Anpassungsfähigkeit für den Erfolg auf globaler Ebene sind.
c. Betreuung an der Hochschule
Die Betreuung an der RMIT University war insgesamt positiv, obwohl ich gehört habe, dass viele meiner Kommilitonen unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Einige Studierende äußerten Unzufriedenheit mit der Unterstützung, die sie erhielten, besonders in Bezug auf die Kommunikation mit den Dozenten oder organisatorische Fragen. In meinem Fall hatte ich jedoch keine größeren Probleme. Das International Office der Universität war stets hilfsbereit, sowohl bei administrativen Fragen als auch bei der Organisation von Veranstaltungen oder bei der Unterstützung bei Visa- und Wohnsitzanliegen. Die Dozenten waren ebenfalls zugänglich und bereit, bei Problemen oder Unsicherheiten zu helfen. Sie gaben klare Anweisungen und stellten sicher, dass wir die benötigten Ressourcen zur Verfügung hatten, um erfolgreich zu sein. Obwohl ich also in der Regel gut betreut wurde, war es dennoch auffällig, dass einige meiner Mitstudierenden mehr Schwierigkeiten bei der Kommunikation mit der Hochschule hatten. Dies mag teilweise an den unterschiedlichen Erwartungen und Erfahrungen der internationalen Studierenden liegen. In meinem Fall konnte ich jedoch immer auf die Unterstützung der Universität zählen, und ich fühlte mich gut begleitet, sowohl bei der akademischen als auch bei der persönlichen Integration in das Studienumfeld.
4. Studienort
a. Öffentliche Verkehrsmittel
In Saigon habe ich nie die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt, da diese im Wesentlichen nicht existieren oder nur sehr begrenzt zur Verfügung stehen. Es gibt einige wenige, eher unzuverlässige Busse, die jedoch im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln kaum eine Rolle spielen. Stattdessen ist Grab, ein Ride-Hailing-Dienst, die bevorzugte Art, sich in der Stadt fortzubewegen. Es ist super billig, komfortabel und äußerst praktisch. Mit Grab konnte ich schnell und einfach zu den verschiedensten Orten gelangen, ohne mich mit den Herausforderungen des chaotischen Straßenverkehrs oder der ineffizienten öffentlichen Infrastruktur auseinandersetzen zu müssen. Die Fahrten waren preiswert und oftmals schneller als die wenigen öffentlichen Verkehrsmittel, die zur Verfügung standen.
b. Sicherheit
Saigon war insgesamt ein sehr sicherer Ort für mich. Die Vietnamesen sind äußerst freundlich und hilfsbereit, und ich fühlte mich immer sicher, auch bei nächtlichen Spaziergängen. Wie in vielen Großstädten muss man jedoch auf seine Wertsachen achten, besonders in belebten Gegenden.
c. Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele
Vietnam bietet eine unglaubliche Vielfalt an Sehenswürdigkeiten. Besonders beeindruckt haben mich Städte wie Da Nang, Hoi An, Hanoi und Sa Pa. Die Ha Giang Loop, eine Motorradroute im Norden Vietnams, war eines der unvergesslichsten Erlebnisse. Diese spektakuläre Route führte uns durch beeindruckende Berglandschaften und traditionelle Dörfer. Auch weniger bekannte Orte wie Mui Ne und Nha Trang hinterließen einen bleibenden Eindruck.
d. Internetzugang und Telefonieren
Der Internetzugang in Saigon war schnell und zuverlässig. Die meisten Cafés und öffentlichen Plätze boten kostenloses WLAN an. Für den Mobilfunkabschluss war es einfach, eine lokale SIM-Karte zu erwerben, was für mich eine kostengünstige Möglichkeit war, in Kontakt zu bleiben.
5. Finanzieller Aufwand
a. Reisekosten
Die Reisekosten für meinen Aufenthalt in Vietnam waren überschaubar. Die Flugkosten mit Vietnam Airlines lagen im mittleren Preissegment, was sich als fair erwies, angesichts der Qualität der Fluggesellschaft. In Vietnam sind die Flüge leicht billiger als sie es in Deutschland sind. Das Reisen innerhalb des Landes ist also problemlos möglich. Auch das Reisen per Sleeper-Bus ist extrem komfortable und billig (ungefähr 10€ für 8 Stunden Fahrt)
b. Lebenshaltungskosten
Mit einem Budget von 600 Euro pro Monat konnte ich nicht nur meine Unterkunftskosten abdecken, sondern auch genügend für Lebensmittel, Freizeitaktivitäten und Reisen ausgeben. Besonders positiv war, dass die Lebenshaltungskosten in Vietnam deutlich niedriger sind als in Deutschland.
c. Sonstiges
Die einzigen wirklich hohen Ausgaben waren die Studiengebühren an der RMIT, welche allerdings durch die sonst sehr niedrigen Ausgaben relativiert wurden.
6. Gesamtbewertung des Aufenthalts
Mein Auslandssemester in Vietnam war eine unvergessliche Zeit, die mich sowohl akademisch als auch persönlich bereichert hat. Das Studium an der RMIT Saigon bot mir die Möglichkeit, neue Lernmethoden kennenzulernen und meine fachlichen Fähigkeiten zu erweitern, während die Reisen durch Vietnam mir einen tiefen Einblick in die Kultur und Natur des Landes ermöglichten. Die Herausforderungen, denen ich begegnete, haben mich stärker und selbstständiger gemacht, und die positiven Erlebnisse werden mir für immer in Erinnerung bleiben. Vietnam hat mein Herz erobert, und ich kann jedem Studierenden nur empfehlen, die Chance zu nutzen, ein Auslandssemester in diesem faszinierenden Land zu verbringen. Die Kombination aus einem guten Studium, erschwinglichen Lebenshaltungskosten und unzähligen Reisemöglichkeiten macht Vietnam zu einem idealen Ziel für ein internationales Studium. Ich bin dankbar für diese Erfahrung und freue mich darauf, die gewonnenen Erkenntnisse und Fähigkeiten in meinem weiteren Studium und Berufsleben anzuwenden.





