04.08.2025
Erfahrungsbericht von Niklas zum Auslandssemester an der RMIT University
Niklas war 2025 für ein Auslandssemester an der RMIT University in Melbourne: "Ich bin über mich selbst hinausgewachsen, habe mich in einer neuen Kultur zurechtgefunden, neue Denkweisen kennengelernt, Freundschaften geknüpft, und so viele Erfahrungen gesammelt dass ich manche gar nicht richtig verarbeiten konnte, weil schon wieder neue Eindrücke kamen."

Universität im Ausland: RMIT University in Melbourne
Universität in Deutschland: Technische Hochschule Nürnberg
Studiengang in Deutschland: Bauingenieurwesen
Belegte Kurse im Auslandssemester:
- Managing for Sustainability
- Waste Water Treatment and Recycling
- Building Information Modelling
- Water Enineering
Hey, nachdem ich mein Auslandssemester an der RMIT University in Melbourne erfolgreich abgeschlossen habe, möchte ich euch hier ein paar Einblicke, Tipps und Erfahrungen mitgeben - gerade für alle, die selbst mit dem Gedanken spielen, ein Semester im Ausland zu verbringen. Vorab: Ich hatte anfangs viele Bedenken. Ein Semester weit weg von zu Hause, komplett auf Englisch, ohne Freunde / Freundinnen, mit Zeitverschiebung und der Unsicherheit, ob das wirklich alles funktioniert, … Jetzt kann ich sagen: Es war die beste Entscheidung überhaupt. Keine meiner Sorgen hat sich bewahrheitet, im Gegenteil - ich bin mit vielen neuen Eindrücken, Kontakten und Erinnerungen zurückgekommen, die ich nicht mehr missen möchte. Im Folgenden möchte ich meine Erfahrungen in den Themen Vorbereitung, Studium, Wohnen und Freizeit teilen:
Vorbereitung
Zwei Kriterien waren für mich fix: Ein englischsprachiges Land - und wenn schon, dann richtig weit weg. Europa war mir ehrlich gesagt zu „nah“ (abgesehen davon dass man in den meisten Ländern dort nicht Englisch spricht) und das US-amerikanische Maßsystem war mir etwas zu wild, aber Australien hingegen fühlte sich nach Abenteuer an. Ein Land, das man nicht mal eben in zwei Wochen Urlaub erkundet. Gleichzeitig war mir wichtig, dass die Uni gut ausgestattet ist, ein breites Kursangebot hat und die Stadt lebenswert ist. Melbourne war dafür ein Volltreffer. Leider war das International Office meiner Hochschule personell stark eingeschränkt, sodass ich über den klassischen Weg nach mehrfachem Aufsuchen und Telefonaten kaum Unterstützung bekam. Nach einigen erfolglosen Gesprächen bin ich schließlich online auf GOstralia!-GOmerica! gestoßen. Der erste Anruf dort hat gereicht - innerhalb von 30 Minuten hatte ich alle nötigen Informationen über Fristen, Voraussetzungen und Studienangebote. Die weitere Kommunikation lief unkompliziert per E-Mail, mit klaren Anleitungen was, wann zu tun ist. Das hat mir extrem geholfen, alles rechtzeitig und stressfrei zu organisieren. Was ich jedem empfehlen kann: Fangt frühzeitig mit der Planung an. Ich habe etwa 6-7 Monate vor Semesterbeginn begonnen - das war ideal für einen stressfreien Ablauf. Man muss nicht jeden Tag etwas erledigen, aber es gibt immer wieder einzelne Schritte und vor allem Fristen, bei denen Vorlaufzeit Gold wert ist: Bewerbungsunterlagen zusammenstellen, passende Kurse finden, Visum beantragen, Impfungen / Versicherungen abschließen, Sprachtests machen (z. B. IELTS oder TOEFL), Wohnmöglichkeiten prüfen. V.a. Zulassungsvoraussetzungen wie Sprachtests oder erforderliche Vorkenntnisse sollten als erste Punkte bei der Uni-Auswahl recherchiert werden, um diese möglicherweise noch nachzuholen! Jedoch auch die Kurswahl ist ein zentraler Punkt. An der RMIT kann man Kurse aus verschiedenen Fachbereichen kombinieren, vorausgesetzt, man erfüllt die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen. Diese sind in den Kursbeschreibungen auf der Website gut ersichtlich. Ich habe sowohl Kurse gewählt, die ich mir an meiner Heimathochschule anrechnen lassen konnte, als auch solche, die mich einfach persönlich interessiert haben. Für die Bewerbung musste ich zunächst mehr Kurse angeben, als ich am Ende wirklich belegen konnte, da man i.d.R. nicht zu allen Kursen zugelassen wird. Nach Prüfung durch die Uni erhält man dann eine Rückmeldung, welche Kurse genehmigt wurden. Falls man nicht alle Wunschkurse bekommt, lohnt es sich manchmal eine kurze, begründete E-Mail an die zuständige Person zu schreiben - oft ist dann doch noch etwas möglich. Hierzu bekommt ihr (sobald ihr euch für eine Uni entschieden habt) aber ausreichend Informationen mit genügend zeitlichem Vorlauf. Geplant werden muss die Uni an die ihr wollt, welche Kurse ihr belegen werdet, mit welchem Visa ihr anreist (einfach bei GOstralia!-GOmerica! nachfragen, da werdet ihr super beraten) und wann das Studium beginnt. Bei den meisten Unis gibt es auch eine Woche vor Vorlesungsstart eine Orientationweek, bei der man auch super Freundschaften knüpfen kann oder das Uni-Gelände kennenlernt. Neben der Uni ist auch das Thema Wohnen etwas, um das man sich früh kümmern sollte. Tausende Studierende suchen zur gleichen Zeit eine Wohnung - die besten Optionen sind daher schnell vergeben
Wohnen
Man kann (wie in Deutschland) entweder in einem Studentenwohnheim wohnen oder sich eine private WG suchen. Beides hat Vor- und Nachteile. Ich habe mich für ein zentrales Wohnheim entschieden, genauer gesagt das Iglu Melbourne City (direkt neben dem Queen Victoria Market). Die Lage war perfekt: Ich konnte zu Fuß in zehn Minuten zur Uni laufen und hatte alle Läden für den täglichen Bedarf direkt um die Ecke (Tipp: der Market schließt täglich gegen 14:30-15:00, in diesem Zeitraum werden fast alle Sachen reduziert angeboten!). Private WG‘s sind oft günstiger, liegen aber meistens etwas weiter außerhalb. Zudem weiß man natürlich vorher nicht, mit wem man letztlich zusammenlebt - das kann super sein, muss aber nicht. In Wohnheimen ist die Chance, mit anderen internationalen (aber auch australischen) Studierenden zusammenzukommen, garantiert und man findet super schnell Anschluss und Freundesgruppen. Und: Viele Wohnheime, wie meines, übernehmen teilweise die Kosten für Freizeitaktivitäten und bieten kostenloses Frühstück. Dadurch relativiert sich auch der Preisunterschied zur privaten WG wieder ein Stück weit. Ein bisschen Recherchieren ist hier also definitiv empfehlenswert.
In meinem Wohnheim habe ich mich rundum wohlgefühlt. Es gab wöchentliches gemeinsames Frühstück, Veranstaltungen und Ausflüge, bei denen man sehr schnell Leute kennenlernt. Die Atmosphäre war international, offen und unkompliziert. Über das Wohnheim habe ich zu Beginn bei Kennenlernspielen auch meine Freundesgruppe kennengelernt und wir haben im Laufe des Semesters nahezu jeden Tag etwas zusammen unternommen oder sind gemeinsam fortgefahren. Solltet ihr euch für ein Studentenwohnheim bewerben: Gebt (falls ihr das wollt) gerne an, dass ihr in ein oberes Stockwerk wollt. Einerseits ist es leiser und zum Anderen hat man die bessere Aussicht). Wenn ich heute noch einmal die Wahl hätte, würde ich mich definitiv wieder für ein Wohnheim entscheiden. Man lebt zentral, ist nah an der Uni, findet leicht Anschluss und hat Zugang zu vielen Angeboten, die das Leben vor Ort bereichern.
Studium
Das Studium an der RMIT war in vielerlei Hinsicht anders als ich es aus Deutschland kannte - nicht schlechter, aber deutlich stärker auf Eigenverantwortung ausgelegt. Man belegt in der Regel drei bis vier Kurse, abhängig davon, wie viele "credit points" sie bringen. Um als Vollzeitstudent anerkannt zu werden, muss man Kurse im Umfang von mindestens 36 Credit Points wählen. Ich habe mit 3 Kursen (36 credit points) meinen Stundenplan so gelegt, dass ich nur dienstags und mittwochs Uni hatte. Für die Erstellung des Stundenplans wird eine Plattform freigeschaltet, die nach dem „first come, first serve“-Prinzip läuft, hierbei sollte man also möglichst frühzeitig seinen Wunsch-Stundenplan abgeben. GOstralia!-GOmerica! und die jeweilige Universität informieren euch darüber frühzeitig. Durch diese Planung hatte ich jedes Wochenende mehrere Tage frei, was perfekt für Ausflüge und Reisen war. Es gibt zwar relativ wenige Vorlesungen, jedoch muss man sich die Unterrichtsinhalte im Selbststudium beibringen, wodurch durch Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen nochmal etwas Zeit zu investieren ist. Anders als bei uns hatte ich hier selten klassische Vorlesungen mit Frontalunterricht, sondern eher interaktive Seminare, Gruppenarbeiten und wöchentliche Aufgaben.
Ich hatte meine Kurse nur in modernen Seminarräumen mit Gruppentischen und mehreren Projektoren / Leinwänden für die verschiedenen Blickrichtungen. Da einige Assignments als Gruppenarbeit ausgelegt sind, sind diese Seminarräume aber superpraktisch. Ein großer Vorteil: An der RMIT darf eine einzelne Prüfung nicht mehr als 50 % der Gesamtnote ausmachen. Stattdessen wird die Note aus mehreren Assignments zusammengesetzt, die über das Semester verteilt sind - Essays, Präsentationen, Gruppenprojekte oder kleinere Tests. Diese Struktur nimmt viel Druck aus der Endphase des Semesters, erfordert aber, dass man kontinuierlich mitarbeitet und keine Aufgabe verpasst.
Freizeit
Melbourne ist eine Stadt, die einem unglaublich viel bietet - egal ob man Kultur, Sport, Kulinarik oder Natur mag. Ich habe mich relativ schnell in einer Gruppe internationaler Studierender wiedergefunden - aus Mauritius, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und natürlich auch Deutschland. Oft haben wir gemeinsam gekocht, spontane Tagestrips gemacht oder zusammen geplante Reisen unternommen. Unter der Woche trafen wir uns in der Regel zum Frühstück als auch abends auf eine Runde Billard, Karten-, Brett- oder Wii-Spiele im Gemeinschaftsbereich. Was ich absolut empfehlen kann: Reist ein bis zwei Wochen vor Studienbeginn an. In dieser Zeit könnt ihr euch orientieren, das Wohnheim einrichten, die Stadt erkunden und erste Kontakte knüpfen - ganz ohne Unistress. Auch in den ersten Wochen des Semesters ist noch viel Luft für Ausflüge, bevor das Arbeitspensum langsam anzieht. Alle Themen und zu erledigenden Aufgaben, die das Studium betreffen, werden vor Ort auch nochmals ausreichend vermittelt. Darüber muss man sich also absolut keinen Stress machen. In der Unterkunft einleben, die Gegend nach Einkaufsläden usw. erkunden, eine SIM / eSIM einrichten sind in den ersten Wochen absolut ausreichend. Besonders beliebt waren bei uns die Wochenendtrips – mit einem clever gelegten Stundenplan gut machbar. Rund um Melbourne gibt es viel zu entdecken: Die Great Ocean Road, Phillip Island, 1000 Steps, die Grampians, Bushrangers Bay oder Wilsons Promontory sind nur einige Highlights, die wir neben den Sehenswürdigkeiten in Melbourne besuchten. Wer zur Osterzeit reisen möchte (es gibt etwa eine Woche Osterferien), sollte früh buchen, denn Flüge und Unterkünfte sind schnell vergriffen und steigen preislich stark an. Was mir besonders gefallen hat: Kaum verlässt man das Stadtgebiet, ist man in komplett anderer Natur. Ob dichter Regenwald, schroffe Küsten oder Wüstenlandschaften - Victoria ist landschaftlich extrem abwechslungsreich und mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Mietwagen gut zu erkunden.
Fazit
Ein Auslandssemester ist eine Herausforderung - aber eine, die sich mehr als lohnt. Ich bin über mich selbst hinausgewachsen, habe mich in einer neuen Kultur zurechtgefunden, neue Denkweisen kennengelernt, Freundschaften geknüpft, und so viele Erfahrungen gesammelt, dass ich manche gar nicht richtig verarbeiten konnte, weil schon wieder neue Eindrücke kamen. Wenn du darüber nachdenkst, den Schritt zu wagen: Tu es! Mit etwas Planung, der richtigen Unterstützung (GOstralia!-GOmerica! war hier Gold wert) und Offenheit für Neues wird es mit Sicherheit eine der prägendsten Erfahrungen deines Studiums - vielleicht sogar deines Lebens.






