27.02.2026

Nach dem Master in Australien bleiben: GO!-Alumna Jule im Interview

Ein Masterstudium in Australien eröffnet nicht nur akademische Perspektiven, sondern kann auch der Start in ein dauerhaftes Leben im Ausland sein. GO!-Alumna Jule hat genau diesen Weg gewählt: Nach ihrem Bachelorstudium in Deutschland entschied sie sich für einen Master an der Macquarie University in Sydney - und blieb nach ihrem Abschluss 2023 in Australien. Heute arbeitet sie für das Australian Red Cross.

Im Interview spricht Jule über ihre Motivation für ein Masterstudium in Australien, ihre Entscheidung für die Macquarie University und ihre Erfahrungen mit Studium, Karriereeinstieg und Leben in Sydney. Sie teilt ehrliche Einblicke in die finanzielle Investition, den Berufseinstieg nach dem Abschluss sowie ihren aktuellen Arbeitsalltag in Australien.

Außerdem erfahren wir

  • warum sie sich bewusst für Sydney entschieden hat,
  • ob sich das Studium für sie persönlich und beruflich gelohnt hat,
  • wie schwierig die Jobsuche nach dem Master war,
  • was sie an Deutschland vermisst,
  • und welche Tipps sie zukünftigen Masterstudierenden in Australien mit auf den Weg gibt.

 

Was waren die Gründe dafür, dass du dich nach deinem Bachelorstudium in Deutschland für ein Masterstudium in Australien entschieden hast?

Ich habe bereits während meines Bachelorstudiums ein Auslandssemester an der Macquarie University in Sydney absolviert. Dort habe ich sehr schnell gemerkt, dass mir sowohl der Aufbau der Kurse als auch die Lehrkultur deutlich mehr liegt als das klassische deutsche Universitätsmodell. Die Veranstaltungen waren etwas strukturierter mit Anwesenheitspflicht und es gab regelmäßige Leistungsnachweise über das Semester verteilt. Ich habe für mich gemerkt, dass ich mit diesem kontinuierlichen Prüfungsformat deutlich besser lerne und Inhalte nachhaltiger verarbeite.

Gleichzeitig haben mich das Land und die Leute auch überzeugt. Die Professor:innen und Kommiliton:innen waren sehr aufgeschlossen und freundlich und die Hierarchien waren deutlich flacher. Das hat zu einem sehr angenehmen und offenen Lernumfeld geführt.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland war für mich klar, dass ich für ein weiterführendes Studium nach Australien zurückkehren möchte. Ich habe meinen Bachelor abgeschlossen und mich parallel gezielt auf Bewerbungen für Stipendien für ein Auslands Masterstudium vorbereitet.

 

Warum hast du dich für die Macquarie University entschieden?

Mir hat die Uni während des Auslandssemesters insgesamt sehr gut gefallen. Der Campus ist riesig, sehr grün und modern und hat sogar eine eigene Metro-Station, mit der man in etwa 20 Minuten in der Innenstadt ist.

Der Hauptgrund war jedoch, dass ich dort zwei Masterprogramme in zwei Jahren absolvieren und zwei Fachrichtungen kombinieren konnte, die mich wirklich interessieren. Die Macquarie University ist eine der wenigen Universitäten, die einen Doppelmaster anbietet. Man kann zwei Master innerhalb von zwei Jahren kombiniert studieren und dadurch das Zusammenspiel der Fächer direkt erleben.

Ich habe im Bachelor Kulturwissenschaften studiert, was von den Credits her in Deutschland im Grunde nur für einen anschließenden Master in Kulturwissenschaften oder Medien gereicht hätte. Mich hat jedoch schon immer stärker die Schnittstelle zwischen Kommunikation und internationaler Politik interessiert. In Australien hatte ich die Möglichkeit, International Relations sowie Media and Communications zu studieren und genau diese beiden Interessensfelder miteinander zu verbinden.

 

Was waren deine Erwartungen an das Studium und haben sie sich erfüllt?

Meine Erwartungen wurden tatsächlich sogar übertroffen. Besonders im Master waren die Kurse sehr klein, sodass ich meine Professor:innen wirklich gut kennenlernen konnte. Wir waren auf First-Name Basis, die Hierarchien waren flach, und ich habe mich jederzeit wohlgefühlt, mit Fragen oder Anliegen auf sie zuzugehen.

Man hat deutlich gemerkt, wie motiviert und begeistert die Lehrenden von ihren Themen waren. Diese Haltung war ansteckend und hat das Lernumfeld stark geprägt. Wir waren sogar ab und an gemeinsam mit den Profs in der Uni Bar!

In Deutschland war ich bei Präsentationen vor großen Kursen oft eher zurückhaltend. Durch das kleinere, persönlichere Setting und die offene Atmosphäre habe ich deutlich mehr Selbstvertrauen entwickelt. Inzwischen nehme ich sogar ohne Hemmungen an Paneldiskussionen an der Universität teil und präsentiere ohne Probleme vor größeren Gruppen.

Hat sich die (finanzielle) Investition in das Studium für dich gelohnt?

Ich hatte großes Glück, das DAAD-Stipendium zu erhalten. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an GOstralia!-GOmerica!, die mich im Bewerbungsprozess unterstützt haben. Dadurch musste ich nur einen geringen Anteil der Studiengebühren selbst tragen und habe zusätzlich ein monatliches Stipendium für meinen Lebensunterhalt bekommen. 

Unabhängig vom finanziellen Aspekt hat sich die Investition für mich klar gelohnt. Das Studium hat mir fachlich Orientierung gegeben und mir geholfen, meine Interessen weiter zu schärfen. Ein Doppelmaster hilft auch dabei, sich im späteren Bewerbungsprozess von der Masse an Mitbewerbern abzuheben. Der Umzug ans andere Ende der Welt war aber auch genauso prägend wie das Studium selbst. 16.000 Kilometer entfernt vom eigenen Umfeld ein neues Land eigenständig zu navigieren, ist definitiv nicht einfach. Diese Erfahrung hat mein Selbstvertrauen deutlich gestärkt und mich persönlich wachsen lassen. 

 

Wo hast du direkt nach deinem Studium gearbeitet und war es schwierig für dich einen richtigen Job zu finden?

Es ist als internationale Absolventin in Australien recht schwer, direkt eine Vollzeitstelle zu finden. Besonders direkt nach dem Studium, wenn das Studentenvisum ausläuft. Das Graduate Work Visa, auf das man nach mindestens zwei Jahren Studium Anspruch hat, braucht in der Regel zwei bis drei Monate zur Bearbeitung. Viele Unternehmen stellen allerdings niemanden ein, der noch kein gültiges Arbeitsvisum vorweisen kann.

Ich habe deshalb zunächst die erste Vollzeitstelle angenommen, die mir angeboten wurde, eine Marketing Coordinator Rolle in einer Anwaltskanzlei. Ich habe jedoch schnell gemerkt, dass das Umfeld nicht zu meinen langfristigen Interessen passt. Sobald mein Arbeitsvisum genehmigt war, habe ich mich dann gezielt auf Positionen in meinem Interessenbereich beworben und deutlich bessere Rückmeldungen erhalten. Seit Januar 2024 arbeite ich beim Australischen Roten Kreuz als Communications Adviser. Es ist eine Juniorrolle, aber inhaltlich genau das Umfeld, in dem ich arbeiten möchte. 

 

Was sind deine Aufgaben bei deinem aktuellen Job?

Als Junior übernehme ich ein breites Spektrum an Aufgaben. Ich schreibe den wöchentlichen Mitarbeiter Newsletter, der die Organisation über unsere Programme und Einsätze informiert. Ich unterstütze die Media Relations, verfasse Media Releases und Artikel und erstelle Informationsmaterialien wie Flyer zu unseren Programmen. Außerdem schreibe ich Briefing Notes für unsere Spokespeople und Executives, damit zentrale Botschaften korrekt und konsistent vermittelt werden.

Besonders spannend finde ich aber meine Rolle in Krisensituationen. Ich arbeite an der Kommunikation bei nationalen und internationalen Krisen mit und erstelle Inhalte für die externe und interne Verteilung während laufender Einsätze, zum Beispiel im Zusammenhang mit den Überschwemmungen auf den Philippinen Ende 2025 oder den Waldbränden in Victoria im Januar 2026. Ich lerne hier sehr viel, übernehme Verantwortung und habe in den letzten zwei Jahren klarer definieren können, was mich beruflich motiviert.

Beschreibe mal einen typischen Tag hier in Sydney und was unternimmst du gerne am Wochenende/in deiner Freizeit?

Sydney ist ganz klar eine Morgenstadt, was definitiv eine Umgewöhnung für mich war. Um sechs Uhr sind die Strände, Parks und Cafés bereits voll, viele gehen laufen, ins Gym oder treffen sich vor der Arbeit mit Freunden zum Frühstück.

Unter der Woche stehe ich mittlerweile auch meistens gegen sechs Uhr auf und gehe ins Gym oder zu einem Run Club. Danach trinke ich mit Freunden einen Kaffee und bin gegen acht Uhr wieder zu Hause, um mich fertig zu machen. Je nach Tag arbeite ich im Büro oder im Homeoffice. Nach der Arbeit treffe ich mich manchmal mit Freunden zum Essen oder auf einen Drink, oft nutze ich den Abend aber auch bewusst zum Abschalten. Ich gehe relativ früh schlafen, weil der nächste Tag wieder früh startet.

Am Wochenende bin ich viel draußen. Ich gehe laufen, fahre an den Strand oder in einen der Nationalparks rund um Sydney zum Wandern. Die Stadt bietet wirklich für jeden die passende Aktivität, egal ob man Outdoor-Enthusiast ist, gerne neue Restaurants ausprobiert, Museen und Galerien besucht oder viel Wert auf Sport und Fitness legt.

 

Gibt es etwas, dass du hier vermisst im Vergleich zu Deutschland?

Franzbrötchen! Ich komme aus Hamburg und immer wenn ich meine Eltern besuche, bitte ich sie mir ein Franzbrötchen zum Flughafen mitzubringen. Generell, gute Bäckereien an jeder Ecke fehlen mir total. 

Abseits vom Essen vermisse ich das Fahrradfahren. Sydney ist stark auf Autos ausgerichtet und zudem sehr hügelig, was das Radfahren recht anstrengend macht. Hier gibt es so gut wie keine Fahrradwege und außerdem sind Autofahrer gegenüber Radfahrern oft wenig rücksichtsvoll.

 

Was sind deine Tipps an potenzielle Masterstudenten in Australien?

Baut euch von Anfang an ein Netzwerk innerhalb und außerhalb der Uni auf. Sucht den Kontakt zu euren Professor:innen, die euch später mit Referenzen oder Industrie Kontakten helfen können. Praktika, Volunteer-Arbeit oder studentische Initiativen helfen dabei, australische Arbeitserfahrung vorzuweisen. Lokale Erfahrung und Referenzen erleichtern den Einstieg in den Arbeitsmarkt ungemein.

Allein in ein neues Land zu gehen zwingt einen, offener zu werden, aktiv auf Menschen zuzugehen, Netzwerke aufzubauen und Probleme eigenständig zu lösen. Das stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern ist auch später im Berufsleben wertvoll. Daher ganz wichtig: Vertraut darauf, dass ihr das schafft und genießt die Zeit!