11.02.2026

Erfahrungsbericht von Berit zum Auslandssemester an der Lincoln University

Berit war 2025 für ein Auslandssemester an der Lincoln University in Christchurch: "Wenn ich auf die Zeit in Neuseeland zurückblicke, erkenne ich mich kaum wieder im positivsten Sinne. Ich bin über mich hinausgewachsen, deutlich spontaner geworden und habe ein neues Level an Selbstbewusstsein erreicht."

 

Universität im Ausland: Lincoln University

Universität in Deutschland: Universität Kassel

Studiengang in Deutschland: Gymnasiallehramt Englisch und Politik und Wirtschaft 

Belegte Kurse im Auslandssemester:

  • Introduction to New Zealand Government and Public Policy
  • Nga Tikanga Maori - Introduction to Maori
  • Academic Communication for Undergraders 

 

Vorbereitung: Erzähle uns von der Vorbereitung deines Auslandssemesters und warum du dich für deine Uni entschieden hast     

Mein Entschluss, mich für das Auslandssemester zu bewerben, war trotz der großen Tragweite spontan. Da ich mich im Endspurt meines Studiums befinde, war mir klar: Bevor ich in das strukturierte Berufsleben als Lehrerin starte, möchte ich noch einmal ein echtes Abenteuer erleben. Als ich dann durch Zufall las, dass GOstralia-GOmerica zum 25-jährigen Jubiläum Vollstipendien vergibt, wusste ich: Das ist das Zeichen, auf das ich gewartet habe!

Warum die Lincoln University?

Nach der Recherche verschiedener Länder fiel meine Wahl schnell auf Neuseeland. Das Klima ist ideal und die Natur atemberaubend, ohne dass man sich um giftige Tiere sorgen muss. Besonders gereizt hat mich der Kontrast zu meinem Studienalltag: In Kassel ist die Universität sehr groß und anonym - die Lincoln University hingegen ist für ihre familiäre Atmosphäre bekannt. Als angehende Lehrerin fand ich den Gedanken spannend, eine so enge Campus-Gemeinschaft kennenzulernen.

Vorbereitung & Organisation

Die Phase der Bewerbung war intensiv, besonders das Erstellen des kreativen Beitrags und das Zusammenstellen der Unterlagen. Umso größer war die Erleichterung und Freude über die Zusage! Danach ging alles Schlag auf Schlag: Visum, Flüge und die Kurswahl. Besonders positiv hervorzuheben ist die Kommunikation mit der Uni vor Ort: Meine Ansprechpartnerin in Lincoln war unglaublich freundlich und hat mir jede Unsicherheit genommen. 

 

Uni und Campus: Wie hat dir die Uni gefallen? Wie waren die Kurse, die du belegt hast? Was hast du sonst auf dem Campus unternommen? Hast du Tipps, wie man am besten andere Studierende kennenlernt?    

Die Lincoln University legt unglaublich viel Wert darauf, dass man sich vom ersten Moment an nicht allein gelassen fühlt. Man wird sprichwörtlich direkt in „unterstützende Arme“ genommen. Das Mentoren-System auf dem Campus ist Gold wert: Als bei meiner Ankunft das Accommodation Service vergaß, mir mein Flatting Bag (mit der Bettwäsche) auszuhändigen, waren es meine Mitbewohnerinnen und die studentischen Ansprechpartner, die sofort einsprangen. Dank ihnen hatte ich schon in der ersten Nacht ein fertiges Bett.

Das Campusleben: Kurze Wege, volles Programm

Der Campus selbst ist eher klein und überschaubar. Das hat den unschlagbaren Vorteil, dass man es kaum schafft, zu spät zu kommen! Ein echtes Highlight ist das Sportangebot: Das Gym ist bereits in den Studiengebühren enthalten. Ich habe besonders den Yogakurs geliebt, der dreimal pro Woche angeboten wurde. Auch das nahegelegene Schwimmbad konnte ich kostenlos nutzen. Lincoln bietet hier eine perfekte Struktur, um neben dem Studium den Kopf frei zu bekommen.

Ein wichtiger Hinweis für andere Lehramtsstudierende: Trotz des angestrebten Staatsexamens wird man in Lincoln meist als Undergraduate (Bachelor) eingestuft. Das hat jedoch den Vorteil, dass man viele Inhalte bereits kennt und das Semester ohne übermäßigen Stress genießen kann. Ich habe mich für drei Kurse entschieden, um eine gute Balance zwischen Leistung und „Abenteuerleben“ zu finden.

Besonders wichtig war mir der kulturelle Aspekt:

  • Maori Culture/Language: Da die Geschichte der Ureinwohner Neuseeland maßgeblich prägt, wollte ich unbedingt die Kultur und Sprache verstehen.
  • Introduction to New Zealand Politics: Diesen Kurs sah ich als komplementär an, um das Land und seine Gesellschaft wirklich zu begreifen und den Menschen mit dem nötigen Respekt zu begegnen.

Mein Tipp zum Kennenlernen

Nutzt unbedingt die Orientation Week! Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, bei verschiedenen Events direkt mit anderen Internationals und „Kiwis“ in Kontakt zu kommen. Wenn man dann noch auf dem Campus wohnt, passiert das Kennenlernen durch die gemeinsamen Aktivitäten fast von ganz allein.Mein wichtigster Rat: Seid nicht schüchtern! Besonders in den ersten Wochen gibt es in fast jedem Kurs viel Gruppenarbeit. Das ist die perfekte Gelegenheit, um ganz ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Ich hatte das Glück, dass ich drei meiner engsten Freunde durch Zufall in mindestens zwei meiner drei Kurse wiedersah – so festigen sich Freundschaften fast von allein. Die Lincoln University zeichnet zwar alle Vorlesungen und Seminare auf, was super ist, wenn man mal krank ist oder nebenbei arbeitet. Aber: Geht trotzdem hin! Man würde das Zwischenmenschliche und den Austausch einfach vermissen. Interessanterweise ist die Anwesenheitsquote bei uns internationalen Studierenden oft höher als bei den „Kiwis“. Aber genau diese Präsenz vor Ort macht das Studienerlebnis aus.Wenn man mal nicht im Hörsaal ist, bietet die Uni tolle Freizeitangebote, um Leute zu treffen. Ich habe zum Beispiel mitgenommen:

  • Uni-Partys: Perfekt, um den Kopf auszuschalten und den Campus-Vibe zu spüren.
  • Schneausflug: Ein echtes Highlight, wenn man die neuseeländischen Alpen erleben will.
  • Wanderungen: Die Uni organisiert Touren in die Natur – eine super Möglichkeit, die atemberaubende Landschaft rund um Lincoln sicher und in Gesellschaft zu erkunden.

Auch die Mitgliedschaft in Clubs kann helfen andere mit ähnlichen Interessen kennenzulernen. Ich war Mitglied in einem Buchclub und es war echt unterhaltsam, mit dem einen oder anderen schreib ich immer noch via Instagram. 

 

Stadt und Umgebung: Wie hat dir deine Studienstadt gefallen? Erzähle von deinen Reisen am Wochenende oder in der Semester Break.   

Lincoln ist ein beschaulicher Ort, liegt aber nur etwa 20 Autominuten von Christchurch entfernt. Um flexibel zu sein, empfehle ich jedem, sich direkt zu Beginn eine Metrocard für den öffentlichen Nahverkehr zu besorgen. Ich habe meine Karte direkt an meinem zweiten Tag in der Lincoln Library & Service Centre geholt, die nur etwa 10 Gehminuten vom Campus entfernt liegt. Die Karte lässt sich bequem online aufladen und macht das Busfahren deutlich günstiger und unkomplizierter.

Obwohl die Busverbindungen gut sind, ist ein eigenes Auto in Neuseeland der Schlüssel zum ultimativen Abenteuer. Viele Studierende kaufen sich für die Zeit ihres Aufenthalts günstig einen Wagen. Die Lincoln University ist hier sehr studierendenfreundlich: Gegen eine geringe Gebühr kann man einen Parkausweis für den Campus erwerben und dort sicher parken.

Wichtiger Hinweis für alle Roadtrip-Planer: Wenn ihr in Neuseeland fahren wollt, reicht der deutsche Führerschein allein nicht aus. Ihr benötigt zwingend einen internationalen Führerschein zusätzlich zu eurem nationalen Dokument. Achtet darauf, diesen rechtzeitig vor eurer Abreise in Deutschland zu beantragen!

An den Wochenenden zog es mich oft nach Christchurch. Obwohl die Fahrt mit dem Bus etwa 60 Minuten dauert, habe ich die Zeit geliebt, um mal allein oder mit Freunden abzuschalten. Meine absoluten Lieblingsorte waren der Sumner Beach und der beeindruckende New Brighton Pier. Es gibt nichts entspannteres, als am Strand spazieren zu gehen, Muscheln zu sammeln und den Kopf für die neue Uni-Woche freizubekommen. Für alle Bücherwürmer habe ich noch einen Geheimtipp in der Stadt: Scorpio Books - eine unglaublich gut sortierte Buchhandlung, in der man stundenlang stöbern kann. In Lincoln gibt es auch neben der Library ein Restaurant "The Labratory", wo sich die Studis zu einem günstigen Bierchen treffen können. Dort hab ich auch mit meinen Freunden meinen Geburtstag gefeiert. 

Der Semester Break: Roadtrip-Abenteuer

Anfang September stand die zweiwöchige Vorlesungspause an. Mein Ziel: So viel wie möglich von der Insel sehen! Hier ein wertvoller Tipp für die Reisekasse: Fragt im Accommodation Office nach Empfehlungen. So kam ich auf Rad Car Hire - ich habe für vier Tage keine 100 Euro für den Mietwagen gezahlt!

Mit dem Auto im Gepäck ging es los:

  • Akaroa: In diesem malerischen Ort konnten wir Delfine und Pinguine in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. 
  • Lake Tekapo: Dieser See gehört zum International Dark Sky Reserve. Für ca. 40 Euro haben wir an einer Sternenführung mit Teleskopen teilgenommen. Obwohl die Tour wegen des Wetters etwas früher abgebrochen werden musste, war der Blick in den Nachthimmel absolut magisch und jeden Cent wert.

Natur pur und die große Bucket List

Neuseeland beeindruckt durch eine unberührte Natur, die man so nirgendwo anders findet. Da zwei Wochen kaum ausreichen, um alles zu sehen, habe ich mir die restlichen Ziele auf meine Bucket List für die Zeit nach den Prüfungen gesetzt. Anfang November starte ich in eine dreiwöchige Rundreise, um das Abenteuer gebührend abzuschließen, bevor es zurück in die Heimat geht. 
Fazit: Erzähle uns von den Erfahrungen, die du in deinem Auslandssemester gemacht hast und wie es dich in deiner persönlichen Entwicklung weiter gebracht hat.     Wenn ich auf die Zeit in Neuseeland zurückblicke, erkenne ich mich kaum wieder im positivsten Sinne. Ich bin über mich hinausgewachsen, deutlich spontaner geworden und habe ein neues Level an Selbstbewusstsein erreicht. Ein Auslandssemester am anderen Ende der Welt zwingt einen dazu, die eigene Komfortzone zu verlassen, und genau dort beginnt das Wachstum.

Von der Geschwister-WG zum Multikulti-Campus

Zuhause in Deutschland lebe ich in einer vertrauten Umgebung mit meiner Schwester zusammen. In Lincoln hingegen war ich plötzlich Teil einer Gemeinschaft aus den verschiedensten Kulturen. Dieses Zusammenleben mit Menschen aus aller Welt war eine meiner wertvollsten Erfahrungen. Es hat mich gelehrt, im Alltag viel entspannter zu werden und Dinge gelassener zu nehmen. Man lernt nicht nur andere Sprachen oder Sitten kennen, sondern reflektiert das eigene Verhalten. Es war meine allererste Reise ganz allein. Im Vorfeld wusste ich absolut nicht, was mich erwartet, ob ich in der Ferne klarkommen würde oder ob es mir überhaupt gefallen würde. Es war ein echter Sprung ins Ungewisse, verbunden mit der Überwindung meiner eigenen Ängste. Doch heute kann ich sagen: Ich habe mich diesen Herausforderungen gestellt und bin daran gewachsen. Neuseeland hat mich so sehr beeindruckt, dass ich bereits jetzt plane, in drei Jahren wiederzukommen. Denn bisher durfte ich „nur“ die Schönheit der Südinsel kennenlernen - die Nordinsel steht definitiv noch auf meiner Liste! 

 

Sonstiges: Hast du uns noch mehr zu berichten? Wir freuen uns über jede Story.   

Zum Schluss habe ich noch eine ganz spezielle Erfahrung gemacht, die zeigt, dass man in Neuseeland selbst bei Missgeschicken nicht verzweifeln muss. Ich habe nämlich tatsächlich meinen deutschen Führerschein verloren! Falls euch das auch passiert, gibt es einen Weg, um trotzdem mobil zu bleiben:

  1. Polizei informieren: Ruft die Nicht-Notrufnummer der neuseeländischen Polizei an (105) und gebt eine Verlustmeldung auf. Ihr erhaltet eine Referenznummer.
  2. Besitz nachweisen: Ihr müsst nachweisen können, dass ihr im Besitz einer gültigen deutschen Fahrerlaubnis seid (ein Foto oder eine Kopie des verlorenen Scheins ist hier Gold wert!).
  3. Ausnahmegenehmigung beantragen: Mit der Verlustanzeige wendet ihr euch online an die zuständige Verkehrsbehörde (NZTA) und beantragt eine Ausnahmegenehmigung (Exemption). Das kostet ca. 90 Euro.
  4. Behörde vor Ort: Mit dieser Genehmigung geht ihr zu einer lokalen Stelle (z.B. AA oder VTNZ).

Innerhalb von nur einer Woche hielt ich meinen vorläufigen neuseeländischen Führerschein in den Händen und konnte mein Abenteuer auf vier Rädern fortsetzen. Ein bürokratisches Wunder, das mich sehr beeindruckt hat! Meinen richtigen hab ich Ende meines zwei wöchigen Roadtrips via Post bekommen.

Ein großer Vorteil meiner Reisezeit war der November. Während in Deutschland der graue Herbst einzieht, beginnt in Neuseeland der Frühling. Das hat zwei unschlagbare Vorteile: Die Natur explodiert förmlich in satten Farben und die großen Touristenströme sind noch nicht unterwegs. Man hat viele magische Orte fast für sich allein.

Wildlife-Highlights und Naturwunder

Auf meiner Bucket List standen nach Kursende noch einige Highlights, die ich jedem nur ans Herz legen kann:

  • Pancake Rocks (Punakaiki): Die Fahrt an die Westküste zu diesen bizarren Kalksteinfelsformationen ist spektakulär. Wenn die Flut kommt und das Wasser durch die „Blowholes“ schießt, merkt man erst, welche Kraft der Ozean hat.
  • Marlborough Sounds: Eine Fahrt durch diese fjordähnliche Landschaft ist ein Muss. Hier hatte ich das Glück, unzählige Delfine zu sehen. Neuseeland ist die Heimat beeindruckender Arten: von den verspielten Dusky Dolphins über Bottlenose Dolphins bis hin zu den seltenen Hector-Delfinen - den kleinsten Delfinen der Welt!
  • Blue Penguins: In den Küstenregionen (wie Oamaru oder Akaroa) kann man die winzigen Blue Penguins beobachten, wie sie nach Einbruch der Dunkelheit an Land watscheln. Ein Naturerlebnis, das mich als Tierliebhaberin tief berührt hat.